Steuern

Höchste und niedrigste Gewerbesteuer-Hebesätze 2025 in Niedersachsen

Neben dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer ist die Gewerbesteuer (netto) i.d.R. die wichtigste Steuerertragsquelle der Gemeinden. Bei den Gewerbeerträgen dominiert die Gewerbesteuer dabei tendenziell in einwohnerstärkeren Gemeinden und der Einkommensteuer-Anteil in kleineren Gemeinden.

Im Gegensatz zum Einkommensteuer-Anteil können die Gemeinden ihre Erträge aus der Gewerbesteuer durch den Gewerbesteuer-Hebesatz direkt beeinflussen (z.B. für Ertragssteigerungen zwecks Haushaltskonsolidierung). Zugleich beeinflussen die Gewerbesteuer-Hebesätze allerdings auch die Attraktivität eines Standorts für Gewerbebetriebe: Je höher der Hebesatz ist, desto höher ist i.d.R. die gesamte Steuerbelastung dieser Betriebe. Eine Ausnahme gilt für Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmen (z.B. e.K.) sowie für Gesellschafterinnen und Gesellschafter von Personengesellschaften (z.B. OHG, KG), weil sie die gezahlte Gewerbesteuer gemäß § 35 Abs. 1 EStG bis zu Hebesätzen von 400 % steuermindernd auf die Einkommensteuer anrechnen können. Für diese Personen sind Hebesätze bis 400 % daher keine echte Belastung. Dies gilt allerdings nicht für Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH, SE, AG), da Kapitalgesellschaften nicht der Einkommensteuer, sondern der Körperschaftsteuer unterliegen.

Wenn z.B. eine kleine Gemeinde also einen Hebesatz von 340 % hat, aber die Gewerbesteuer größtenteils oder vollständig von Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmern oder Gesellschafterinnen und Gesellschaftern von Personengesellschaften gezahlt wird, könnte diese Gemeinde den Hebesatz auf 400 % erhöhen. Dadurch erzielt sie höhere Gewerbesteuer-Erträge, ohne die (meisten) Gewerbebetriebe stärker zu belasten. Wenn eine Gemeinde hingegen nennenswerte Kapitalgesellschaften vor Ort hat (und/oder diese ansiedeln will), funktioniert dieser „Trick“ allerdings nicht. Denn für Kapitalgesellschaften sinkt durch einen höheren Gewerbesteuer-Hebesatz die Attraktivität des Standorts.

Neben der Haushaltskonsolidierung können höhere Hebesätze auch anderweitige Gründe haben. So können sich Gemeinden z.B. entscheiden, neue freiwillige Aufgaben zu erfüllen. Für diese neuen Aufgaben brauchen sie zusätzliche Erträge (oder geringere Aufwendungen in anderen Bereichen). Mit dem Gewerbesteuer-Hebesatz haben die Gemeinden hier einen möglichen Ertragshebel. Dies setzt allerdings voraus, dass die jeweilige Gemeinde überhaupt nennenswerte Erträge aus der Gewerbesteuer erzielt. Hat eine kleine Gemeinde z.B. kaum Gewerbebetriebe vor Ort, bringt ein höherer Hebesatz wenig. In diesem Fall kann für die Gemeinde z.B. der Hebesatz der Grundsteuer B ein alternativer Ertragshebel sein.

Der vorliegende Beitrag untersucht die Gewerbesteuer-Hebesätze der Gemeinden in Niedersachsen für das Jahr 2025 anhand von Daten des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN).

Kreisfreie Städte

Wie die Abbildung zeigt, hatte 2025 die Stadt Braunschweig mit 450 % den höchsten Hebesatz aller acht kreisfreien Städte. Am niedrigsten lag er in Wolfsburg mit 360 %. Prägend für die Stadt Wolfsburg ist die dort ansässige Volkswagen AG als Mutterunternehmen von einem der größten Automobil-Konzerne der Welt.

Die Landeshauptstadt Hannover ist in der Abbildung nicht dargestellt, da sie zur Region Hannover gehört und damit faktisch kreisangehörig ist. Nach § 15 Abs. 2 NKomVG hat Hannover allerdings die Rechtsstellung einer kreisfreien Stadt. Der Hebesatz von Hannover lag 2025 bei 480 %.

Neben der Stadt Hannover hat auch die kreisangehörige Stadt Göttingen (Landkreis Göttingen) einen besonderen Status: Gemäß § 16 Abs. 2 NKomVG gelten für Göttingen die Vorschriften der kreisfreien Städte, sofern durch Rechtsvorschrift nichts anderes bestimmt ist. Göttingen hatte 2025 einen Gewerbesteuer-Hebesatz von 430 %.

Abbildung: Gewerbesteuer-Hebesätze der kreisfreien Städte in Niedersachsen 2025

Kreisangehörige Gemeinden

Untenstehende Tabelle zeigt die Gemeinden mit den niedrigsten und höchsten Hebesätzen nach Landkreisen (inkl. Region Hannover). Ein Vergleich nach Landkreisen ist besonders relevant, da die Höhe eines Hebesatzes oft im Vergleich zu benachbarten Gemeinden beurteilt wird.

Im kreisangehörigen Raum zeigen sich große Unterschiede zwischen den Landkreisen. So hatte 2025 beispielsweise die Gemeinde mit dem höchsten Hebesatz im Landkreis Ammerland (Apen mit 380 %) einen geringeren Hebesatz als die Gemeinde mit dem niedrigsten Hebesatz im Landkreis Friesland (Wangerooge mit 400 %).

Auch die Spannweiten vom niedrigsten zum höchsten Hebesatz innerhalb von Landkreisen waren 2025 sehr unterschiedlich: Während die Spannweite im Landkreis Ammerland und im Landkreis Wittmund nur 40 %-Punkte betrug, waren es im Landkreis Leer 190 %-Punkte.

Am höchsten lag der Gewerbesteuer-Hebesatz 2025 in Damnatz und Schwerinsdorf mit jeweils 520 %. Den geringsten Hebesatz in Niedersachsen hatten Bokensdorf, Steinfeld (Oldenburg) und Waake mit jeweils 300 %. Nach § 16 Abs. 4 Satz 2 GewStG i.V.m. § 36 Abs. 5b GewStG gilt ab 2027 in Deutschland ein Mindesthebesatz von 280 % – aktuell liegt der Mindesthebesatz noch bei 200 %. Da keine Gemeinde 2025 unterhalb von 280 % lag, ist es wahrscheinlich, dass ab 2027 keine Gemeinde in Niedersachsen von dem neuen Mindesthebesatz direkt betroffen sein wird.

Tabelle: Niedrigste und höchste Gewerbesteuer-Hebesätze der kreisangehörigen Gemeinden in Niedersachsen 2025 im Landkreis-Vergleich